Das smarte Bosch eBike System 2022 im Praxistest

Die nächste Generation vom Bosch eBike Antrieb ist da. Im ausführlichen Review zeige ich dir alle Details und teste die Einstell-Möglichkeiten der App ausführlich.

Veröffentlicht: 19. April 2022
Letzte Aktualisierung: 19. April 2022
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Das neue smarte System von Bosch.

Nach der Vorstellung mit meinen ersten Eindrücken von der EuroBike Messe hatte ich nun ein Testrad mit der Bosch eBike Flow App zum testen.

In der dritten Generation hat Bosch das gesamte eBike System auf den Kopf gestellt.
Intern wird es bei Bosch auch BES3 (Bosch E-Bike System 3. Generation) genannt.

Transparenzhinweis
Das Testrad wurde mir für den Test-Zeitraum kostenlos und ohne Auflagen von Bosch zur Verfügung gestellt. Am Ende des Testzeitraums geht das Rad zurück. Eine weitere Vergütung erfolgt nicht.

✔️ Hardware

Beim neuen smarten System ist grundsätzlich erst einmal alles neu.

Am meisten sieht man davon bei der neuen LED Remote am Lenker.

LED Controller mit Akku-LEDs und Unterstützungsstufe
LED Controller mit Akku-LEDs und Unterstützungsstufe

Dann gibt es da noch das KIOX 300 Display. Das ist nicht Pflicht. Du kannst auch nur mit der LED-Remote fahren. Auch wenn der Name KIOX geblieben ist, mit dem bisherigen KIOX Display hat das nicht mehr viel zu tun. Umsteiger werden einige Funktionen (Navigation, Lock und Handy-Ladeoption) schmerzlich vermissen.

Das neue Bosch KIOX 300 Display
Das neue Bosch KIOX 300 Display

[Update]
Die Handy Halterung SmartphoneGrip wurde mittlerweile nachgeschoben. Damit ist auch ein laden vom Telefon möglich.

Auch beim InTube Akku mit 750 Wh merkt man das Plus an Reichweite.

Auf die Details der Hardware Neuheiten möchte ich aber hier gar nicht tiefer eingehen.

✔️ eBike Flow App

Die App für Android und iPhone ist das einzige extern verbundene „Connected Device“ für das smarte System.

eBike Flow
eBike Flow
Entwickler: Robert Bosch GmbH
Preis: Kostenlos
‎eBike Flow
‎eBike Flow
Entwickler: Robert Bosch GmbH
Preis: Kostenlos

Die App wird aktuell noch sehr aggressiv im Hintergrund am laufen gehalten. Das hat den Vorteil, dass im Test immer eine Verbindung zwischen Rad und Handy hergestellt werden konnte. Fahrrad einschalten, losfahren und die App Verbindung stand.

Nachteil ist der sehr hohe Stromverbrauch vom Telefon, vor allem wenn das Fahrrad den ganzen Tag nicht bewegt wurde.

Hier mal ein Beispiel:
Fahrrad stand schon seit Tagen im Schuppen. Das Bosch Flow Icon immer in der Statusleiste.
Nach lediglich 12 Stunden war der Handy-Akku quasi leer. Das Android Akku Tool meldet 12 Stunden Hintergrund für die Flow App und über 25% Akkuverbrauch – alleine um die Flow App im Hintergrund aktiv zu halten.

Hoher Bosch Flow App Stromverbrauch im Hintergrund
Hoher Bosch Flow App Stromverbrauch im Hintergrund
Bosch Flow App - Stopp erzwingen
Bosch Flow App – Stopp erzwingen

Ein simples Schließen der App reicht nicht. Als Lösung musste ich die Flow App über die Einstellungen „abschießen“ um den Stromverbrauch in den Griff zu bekommen.

Dann ist wichtig, dran zu denken, die App vor der Fahrt wieder manuell zu starten.

✔️ Registrierung

Um das Rad mit der App zu verbinden brauchst du eine Bosch ID.

Die kannst du direkt in der App anlegen.

Anlegen einer Bosch-ID und eBike koppeln
Anlegen einer Bosch-ID und eBike koppeln

Bitte nicht mit dem Bosch eBike Connect Portal verwechseln! Wichtig für alle Umsteiger vom Nyon oder KIOX.

Das smarte System ist nicht mehr mit dem Connect Portal kompatibel! Deine gemachten Strecken landen also nicht neben den alten Touren von Nyon und KIOX.

✔️ Manipulationsschutz

Dein Rad kann nur mit einer einzigen Bosch ID verbunden sein.

Manipulationsschutz durch Kopplung
Manipulationsschutz durch Kopplung

Mir ist das ganz praktisch aufgefallen, als ich das Testrad mit meiner Bosch ID und meinem Handy verbinden wollte.

Der Redakteur, der das Testrad vor mir hatte war aber noch auf dem Server gekoppelt. Nachdem ich ihn kannte, habe ich kurz angerufen und er hat das Rad auf seinem Handy entkoppelt. Dann hat die Verbindung geklappt.

Damit ist das eine gute Möglichkeit gegen Manipulation durch Spassvögel, die sich an einem geparkten Rad zu schaffen machen.

Hier gleich mein Tipp:
Verbinde dein neues Rad zur eigenen Sicherheit gleich am Anfang mit deiner Bosch ID.

Ohne eine Kopplung könnte jeder den Antrieb manipulieren und du kommst dann nicht mehr ins System um es zurück zu stellen. Dann muss dir Bosch das erst wieder freischalten. Der Händler kann das nicht mal eben so einfach machen.

✔️ Fahrmodi einstellen

Über die Bosch Flow App kannst du alle „nicht-Plus“ Unterstützungsstufen individuell konfigurieren.

In meinem Fall waren das Eco, Sport und Turbo. Der Tour+ Modus reagiert progressiv auf den Fahrer und ist nicht weiter individualisierbar.

Die eigentliche Einstellung ist ganz einfach. Bei verbundenem Fahrrad in der App die gewünschte Unterstützungsstufe wählen.

Individualisieren der Fahrmodi per App
Individualisieren der Fahrmodi per App

Jetzt kannst du folgende Werte einstellen:

  • Unterstützung
  • Dynamik
  • Max. Geschwindigkeit
  • Max. Drehmoment

Was so einfach ausschaut offenbart in der Praxis seine Tücken. Teilweise gleichen sich zwei verschiedene Einstellungen aus oder haben keine spürbare Auswirkung.

Beispielsweise habe ich bei weniger Drehmoment und mehr Unterstützung keinen Unterschied gespürt. Auch ein Plus an Unterstützung im Turbo Modus lieferte nicht mehr spürbare Leistung.

Zwischenfazit Individualisierung:
Schön, dass ich als Fahrer jetzt auch bei Bosch sehr fein in die Unterstützungsstufen eingreifen kann. Gehört einfach dazu und wird von anderen Herstellern bereits seit Jahren angeboten.
In der Praxis musst du allerdings viel Zeit und Geduld mitbringen um dich langsam an deine perfekte Einstellung heranzutasten.
Am Ende war ich dann doch meist im Tour+ Modus unterwegs.

✔️ Kompatibilität

Um es kurz zu machen: Nichts ist mit den bisherigen Komponenten kompatibel. Da immer wieder die Fragen nach „Kann ich die neue LED Remote nachrüsten?“ aufgekommen sind.
Grundsätzliche Antwort: Nein!

BES3 hat andere Stecker und eine andere Software Architektur. Deshalb geht da wirklich nix.

🎬 Video Tutorial

Wenn du dir das smarte System und die neue Flow App lieber im Video anschaust, empfehle ich dir diese beiden Video-Tutorials mit vielen Tipps & Tricks:

Bosch eBike 🚴 Smart System 💡 Tipps & Tricks Tracking starten/stoppen, KIOX 300 & Co

Durch Klick auf das Video wird eine Verbindung zu YouTube hergestellt und Nutzerdaten an Google gesendet Datenschutzerklärung von YouTube
Bosch eBike Flow App 📱 Individuelle Fahrmodi Einstellung Smart System 🚴 Tipps & Tricks 💡 Teil 2

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Persönliches Fazit

Mir fehlt ECHTE Vernetzung. Warum sendet Bosch beim Systemwechsel nicht die Daten über die Standard-Schnittstelle ANT+ LEV? Das wäre echte Connectivity, bei der ich als Fahrer wirklich die Wahl hätte, welches System ich verbinden möchte.

Des weiteren vermisse ich die Ladebuchse für Smartphone, GPS & Co. Wenn schon das Handy mit der App zu einem zentralen Baustein vom smarten System wird, warum dann nicht auch eine Lademöglichkeit anbieten? So kann ganz schnell der Handy-Akku auf Tour schlapp machen.

Das, was wir aktuell sehen ist noch recht mager und erst der Anfang vom smarten System. Wirklich vom Kunden erlebbare Funktionen und Weiterentwicklungen sind noch kaum spürbar. Dafür wurden vom bisherigen KIOX bekannte Funktionen (Navigation, Konfiguration der Datenseiten) entfernt. Mal gespannt, was da noch kommen wird. Ein Connected Modul taucht ja schon am Horizont auf.

Was hälst du vom neuen, smarten System von Bosch? Schreib mir deine Meinung doch bitte mal in die Kommentare.

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6 Gedanken zu „Das smarte Bosch eBike System 2022 im Praxistest“

  1. Kompatibilität

    1 Ausnahme gibt es zumindest 😉. Die Ladekabel für SmartphoneHub und SmartphoneGrip sind identisch.

    Schade, konsequent wäre es, wenn man beim SmartphoneGrid, den Micro-USB-A Stecker durch einen USB-C Stecker ersetzt hätte.

    Jetzt müssen alle Datenblätter und Präsentationen neu geschrieben werden 😉.

    Antworten
    • Das sehe ich auch so. Ich mag mein „altes“ Kiox und die dort angebotenen Funktionen.
      Die Fahrstufen sind für mich ausreichend und mit meinem Reserveakku sehe ich keinen Grund auf das neue System umzusteigen.

      Antworten
  2. Vorsicht bei der optionalen Lock-Funktion des Nyon. Die hat vor kurzem den Motor meines Bikes während der Fahrt lahmgelegt. Natürlich mitten in der Pampa. Darüber hinaus sind aktuell die Bosch-Server seit mehren Tagen tot, so dass keine Synchronisation zwischen Nyon und Smartphone mehr stattfindet. Da gibt es noch viel zu tun im Hause Bosch.

    Antworten
  3. Vom neuen System hatte ich mit mehr versprochen.
    Zusätzlich bin ich noch total genervt, da ich die App wie im Artikel bereits erwähnt wurde immer „abschießen“ muß.
    Wenn das Telefon im Grip steckt wechselt die App nicht ins Querformat, d.h. um eine Tour umzuplanen o.ä. muß man den Lenker um 90⁰ drehen oder das Telefon herausnehmen.
    Je nach Telefon werden die Bedienknöpfe verdeckt, um den Bildschirm aus- oder einzuschalten muß man es aus dem Grip nehmen.
    Im Kiox Display kann ich mir diverse Sachen wie z.B die Trittfrequenz anzeigen lassen, diese Möglichkeit vermisse ich in der App. Programmiertechnisch wäre es einfach wenigstens die Kiox Anzeigen nutzbar zu machen, zumal das Display wegen des Smart Grips entfällt.
    Ich dachte das Telefon eröffnet mehr Möglichkeiten, stattdessen entfallen einige Anzeigen.
    Alles in allem wirkt vieles sehr unausgegoren und verursacht bei mir bislang eher Frust als Freude.

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  4. Die Hardware zum System ist leider ebenfalls ziemlich unausgereift. Bei meinem Cube Kathmandu 750 EXC (dass mir in den zwei Monaten seit Erwerb auch anderweitig Kummer macht) mussten bereits die Remote-Einheit (keine Bluetooth-Verbindung möglich) und der Akku (überhitzte andauernd und schaltete das komplette System ab) ausgetauscht werden! Die Tourenaufzeichnung in der App funktioniert graphisch meist nicht und setzt einfach mal ein geraden Strich über ein paar hundert Meter Länge in die Karte (bei einer 50km-Tour). So einen Mist will man natürlich nicht in Komoot übertragen. Überhaupt ist die eingeschränkte Navigation der Hauptflop. Ob es wirklich „im Herbst“ das entscheidende Update geben wird? Wenn ich all das gewusst hätte, hätte ich niemals die Kombination Cube/Bosch gewählt. Die Rezis zur Flowapp im Playstore sprechen übrigens Bände.

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