Bosch eBike – Das smarte System vorgestellt

Mit einer komplett neuen Generation eBike Antrieb und App geht Bosch ins neue Modelljahr. Finde alle Details und erste Erfahrungen zu KIOX 300, LED Remote und Flow App hier.

Veröffentlicht: 6. September 2021
Letzte Aktualisierung: 13. September 2021
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Bosch eBike Systems bringt für die kommende Saison ein komplett neues Antriebssystem heraus. Was uns da erwartet und welche Besonderheiten es mitbringt erfährst du in diesem News-Beitrag. Mit dabei immer meine Eindrücke von ersten kurzen Testfahrten.

Der Wechsel mit den Änderungen im System ist so groß, dass keinerlei Kompatibilität mit bestehenden Komponenten gegeben ist. Du kannst also nichts aus dem bisherigen Bosch Angebot mit dem neuen System kombinieren.

Das zeigt sich auch im internen Namen: BES3 steht für Bosch eBike System 3. Generation.

Das smarte System auf einen Blick

Was ist jetzt alles neu? Hier mal der Überblick:

  • KIOX 300
  • LED Remote
  • eBike Flow App
  • PowerTube 750 Akku
  • Performance CX Motor
  • 4 A Ladegerät

Erlebbare Neuheiten

Bevor ich im Detail auf die neuen Komponenten eingehe, hier mal die Neuheiten vom smarten System, die du als Fahrer wirklich sofort zum Start erleben kannst:

Neuer Controller und neues Display – klar, dass sieht man sofort

Over The Air Updates für alle Komponenten. Finde ich ganz wichtig und gehört heute zum Stand der Technik. Du kannst alle Komponenten vom eBike System per App aktualisieren. Was bisher nur für Nyon und KIOX Display funktionierte, geht jetzt auch für Motor, Controller & Co. Der Weg zum Händler entfällt somit.

Unterstützungsstufen konfigurieren. Per App kannst du jetzt – in gewissen Grenzen – die Agilität, Höchstgeschwindigkeit und Drehmoment einstellen. Und zwar für jede der vier Stufen getrennt. Quasi auch Stand der Technik, was die meisten anderen Hersteller schon anbieten.

Mehr Reichweite durch größeren Akku.

Video zum smarten System

Auf der Bosch Presseveranstaltung habe ich mal ein Video mit einem ersten Blick aufs Bosch System aufgenommen. Schau einfach mal rein:

Bosch 🚴 Das smarte System 🆕 Vorstellung eBike Neuheiten 2022 BES3

Bosch KIOX 300

Das neue Display erinnert schon sehr stark an den bisherigen KIOX. Deshalb blieb Bosch bei dem Namen – und hängte nur das 300 dran.

Das neue Bosch KIOX 300 Display
Das neue Bosch KIOX 300 Display

Beim Design der Oberfläche hat sich wenig getan. Die einzelnen Seiten kannst du zwar nicht konfigurieren, aber für jede „Themenseite“ gibt es zwei Optionen. Die wechselst du mit der Funktionstaste. Beim nächsten durchblättern ist die dann wieder aktiv.

Zwei Varianten einer Themen-Seite. Hier zur Reichweite
Zwei Varianten einer Themen-Seite. Hier zur Reichweite

Bei der Hardware hat sich dagegen viel getan. Während es beim KIOX noch zwei Tasten und einen internen Akku gab ist der Kiox 300 jetzt quasi ein „dummes Display“. Also wirklich nur Bildschirm mit Kunststoffgehäuse. Wenn du ihn nach unten drückst und abnimmst geht er sofort aus und du kannst ihn einfach nur so mitnehmen.

KIOX 300 Display abgenommen
KIOX 300 Display abgenommen

Es gibt weiterhin eine Möglichkeit das Display zu fixieren. Zwar nicht mit Schraube von unten, sondern per Kunststoffteil – auch von unten reinstecken und ziemlich fummelig zu entfernen. Ich würde sagen der Diebstahlschutz ist gleich geblieben wie früher.

Das KIOX 300 bleibt erst mal das einzige Display. Einen Nyon wird es fürs smarte System erst mal nicht geben.

LED Remote

Neben dem Display wohl die auffälligste Neuheit am neuen Bosch System.

Die LED Remote ist eine kompakte Bedieneinheit, die auch ohne Display funktioniert und dem Biker so ein aufgeräumteres Cockpit bietet. Ähnlich wie das alte Purion aber komplett ohne Display.

Statt dessen wird der Ladezustand des Akkus über 5 LEDs angezeigt. Der gewählte Unterstützungsmodus wird mithilfe unterschiedlicher Farben dargestellt, die sich an den Farben im Display orientieren.

Ergonomisch gut geformter Controller mit Akku-LEDs und Unterstützungsstufe
Ergonomisch gut geformter Controller mit Akku-LEDs und Unterstützungsstufe

Die LED Remote lässt sich mit dem Daumen einfach, komfortabel und intuitiv bedienen. Bei der Entwicklung waren übrigens die Ergonomie-Profis von SQlab beteiligt.

Power- und Lichttaste sind grundsätzlich vom Display an den Controller gewandert.

Super Detail: Mit einer Schraube kannst du den Controller lösen und längs verstellen. So triffst du den perfekten Abstand für deinen Daumen/Hand-Haltung.

Schraube lösen und Controller perfekt einstellen
Schraube lösen und Controller perfekt einstellen

Die Remote kann auch ohne Display zum Einsatz kommen. Beispielsweise als Minimal-Ausstattung für cleane MTB-Lenker. Das KIOX 300 Display lässt sich dann später sehr einfach nachrüsten, falls gewünscht.

Am neuen Controller ist der komische microUSB-Anschluss endlich Geschichte. Bosch hat auf modernes USB-C gewechselt. Leider nur für den Service.

Moderne USB-C Buchse - leider ohne Funktion für uns Endkunden
Moderne USB-C Buchse – leider ohne Funktion für uns Endkunden

Eine Stromversorgung für externe Verbraucher wie Smartphone & Co gibt es nicht.

Finde ich ziemlich enttäuschend, dass bei einem komplett neuen System hier nicht auf die Nutzer gehört wurde, wenn man sich mal vor Augen führt, wie oft das Thema Ladeanschluss thematisiert und kritisiert wurde.

eBike Flow App

Neues System, neue App. Und bei Bosch ist alles im Flow also auch die App.

Modern gestaltete App, die pünktlich zur Auslieferung der ersten Bikes in den App-Stores verfügbar sein wird.

Bosch eBike Flow App mit dem smarten System gekoppelt
Bosch eBike Flow App mit dem smarten System gekoppelt

An externen Portalen ist bisher nur Apple Health integriert. Ich hoffe auf schnelle Google Fit Integration, damit hier Gleichstand der Systeme herrscht. Und natürlich wünschen sich viele einen Export der Aufzeichnungen zu Strava. Alles aber noch Zukunftsmusik.

Übrigens:
Es gibt doch eine Komponente, die du ins neue System mitnehmen kannst: deine Bosch ID zur Anmeldung in der App und auf dem Online Portal

PowerTube 750 Akku

Der neue Akku liefert jetzt 750 Wh Kapazität. Der Querschnitt bleibt gleich. Die Mehrleistung wird über mehr Zellen erbracht, was den Akku länger macht. Der Ladestecker ist neu und nicht mit bisherigen Ladegeräten kompatibel.

Erst mal ist das der einzige Akku für das neue Bosch System. Und auch hier gilt: Die Akkus sind nicht kompatibel oder untereinander zu tauschen – egal in welche Richtung!

Performance CX-Motor

Der Bosch Performance CX-Motor bleibt im Grunde gleich. Mechanisch und bei den zentralen Leistungsdaten (85 Nm) komplett. Bei der Elektronik-Platine mit Software gab es die Änderungen.

Der leicht angepasste Motor lässt sich per App feintunen
Der leicht angepasste Motor lässt sich per App feintunen

Wichtig für Nachrüstgeschichten: Die Anschlüsse sind komplett anders. Bisherige Stecker und entsprechendes Zubehör funktionieren nicht mehr.

Persönliche Einschätzung

Es ist ein großes Update. Auch wenn man es auf den ersten Blick kaum sieht und wenige Neuheiten erlebbar sind. Aber im Hintergrund hat Bosch eine zukunftsfähige Plattform geschaffen. Wir dürfen also gespannt sein, welche Funktionen da noch kommen werden.

Enttäuscht bin ich von der fehlenden Lademöglichkeit für Smartphone & Co. Auch mit echter Konnektivität kann Bosch weiterhin nicht dienen. Es gibt zwar eine App. Aber das ist keine Connectivity, bei der ich als Nutzer selbst entscheiden kann mit wem das Bosch System zusammen arbeiten will. In sofern wäre ANT+ LEV oder zumindest Bluetooth für’s senden von Antriebsdaten an Wahoo, Garmin & Co echt mal sinnvoll gewesen.

Was hälst du vom neuen smarten Bosch System? Schreib mir deine Meinung doch bitte in die Kommentare.

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8 Gedanken zu „Bosch eBike – Das smarte System vorgestellt“

  1. Sicher ein Schritt in die Zukunft.
    Fahren allein mit der Bedieneinheit kommt sicher allen weniger Technik affinen Kunden entgegen. Andererseits könnte das smarte eBike ältere Kundschaft verschrecken.
    Abzuwarten wird auch sein, wie das mit der Navigation funktionieren wird. Beim Kiox-Vorgänger war das ja nicht der Hit.
    Ich persönlich mochte die Abhängigkeit vom Smartphon beim Radfahren noch nie und ich werde mich damit auch nicht anfreunden können.
    Für mich vorstellbar wäre die blanke Bedieneinheit und dazu mein Oregon 700.
    Vielleicht würde ich dies sogar dem Nyon vorziehen?

    Antworten
  2. Das LED Remote ist von Shimano abgekupfert. Bosch ist mit diesem System ein Follower, es gibt nichts, was nicht anderswo schon realisiert wird. Das kam in dem Beitrag auch zum Ausdruck. Dass erst mal nur der 750er Akku berücksichtigt wird, kann nur auf Marketingüberlegungen zurückgeführt werden. Das Mehrgewicht und die Mehrkosten stehen in keinem Verhältnis zu einem Akku mit 650 Wh oder gar zu einem Akku mit 500 Wh.
    Bleibt zu hoffen, dass die App auch wirklich störungsfrei funktioniert. Bei Shimano war das lange nicht der Fall.
    Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich freue mich, dass Bosch in der ersten Liga mitspielt. Vielleicht bringen die Entwickler mal etwas ganz Neues, das uns alle vom Hocker haut.

    Antworten
  3. Da das LED Remote per Bluetooth mit dem Handy und der Bosch-App kommuniziert, müsste es doch technisch möglich sein, diese Daten per Bluetooth an einen Garmin Edge zu senden? Die Frage ist, ob Bosch das will?
    Was mich noch interessieren würde, ist eine Übersicht der Infoseiten auf dem Display.

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  4. …das ist alles doch ein bisschen Werbeschöngerede und das sollte man auch sagen, lieber GPS Radler, früher war da mehr Lametta bei Dir!

    Zum Bsp ist die Karte auf dem aktuellen Nyon 2 ist im Vergleich zu anderen Lösungen grobpixelig, die Navigation auf dem Gerät einzurichten ist umständlich, keine individuelle Tourpunkte, nur „schnell“, „schön“ und was war die dritte Möglichkeit?

    Bitte mal ins Ausland fahren und dann versuchen loszunavigieren! Das Navi findet den Standort nicht, man muss den Homeort mit der gegenwärtigen Location überschreiben und speichern. Bis du das rausgefunden hast, ist ein halber Urlaubstag und viele Nerven hinüber…

    Es gäbe noch Vieles mehr…(Stopp der Aufzeichnung nach 10 Minuten…Verschnipselung der Touren und umständlich Manuelles Löschen (wurde hier schon beschrieben…) etc, pp….Freunde, ein Premiumprodukt sieht anders aus, nur der Preis ist leider Premium.

    Aber jetzt wird der t(r)eu(r)e Kunde mit neuen Betaprodukten überflutet und die „alten“ Produkte werden nicht weiterentwickelt. So sieht heute wohl modernes Marketing aus, jedoch keine nachhaltige, zukunftsorientierte Produktpolitik.

    Irgendwann wird einer kommen, der’s besser macht!

    Piet

    Antworten
    • Piet, wahre Worte, Bosch entwickelt im Elfenbeinturm am Kunden vorbei.
      Wie soll ein nicht IT Mensch damit heute noch zu Recht kommen? Ich zahle gerne mehr für Dinge, die mein Leben angenehmer machen, besser und schöner vielleicht, aber nicht für die feuchten Träume irgendwelcher Techies!

      Antworten
  5. Super detaillierter Artikel! Danke für die viele Mühe!
    Meine Frage jetzt eigentlich: Funktioniert das Errechnen/Weiterleiten der Leistungs(eigene/Motor) und RPM-Daten nach dem Garmin Connect System? Kann man Ding analog zum EP8 als Bluetooth/ANT+ Sensor koppeln? Es wird ja ganz kurz im letzten Absatz erwähnt, aber kann man da zeitnah mit einer Erweiterung rechnen? Kannst du vielleicht den Bosch Ansprechpartner etwas löchern ?Ich hab alles (inkl. Trainingseffekt) bei Garmin/Strava und das wird sich auch nicht ändern. Wenn man sich einen Leistungsmesser dann sparen kann wäre der Motor direkt günstig. Ansonsten ist es halt ein Fail.

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