COBI – Connected Biking im Praxistest
Veröffentlicht: — Letzte Aktualisierung: 16. April 2017
2 2019

Cobi verspricht, jedes Radl zum smarten Fahrrad zu machen. Licht, Navigation, Unterhaltung und Fitness über das Smartphone steuern. In diesem Review bekommst du einen genauen Überblick.

COBI geistert seit Jahren durch die Fahrrad-Welt.

Im Jahr 2014 als Kickstarter Projekt vorgestellt dauerte es bis Ende 2016 bis endlich erste Geräte bei den Kunden ankamen. In der Zeit hat die Firma aus Frankfurt über 12 Millionen Euro Venture Capital verbrannt.

Jetzt liegt das finale Produkt hier und wartet auf den GPS Radler Praxistest.

Dieser ausführliche COBI Test soll dir durch detaillierte Testergebnisse und Praxiserfahrungen bei deiner Kaufentscheidung helfen.

Transparenzhinweis:
Das COBI Komplettsystem wurde mir vom Hersteller kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt.

COBI Hardware und Lieferumfang

COBI gibt es in drei unterschiedlichen Varianten:

  • COBI sport
    Der pure Cobi Hub mit Universalhalterung oder iPhone Case.
  • COBI*
    COBI Hub mit AmbiSense-Frontlicht. Dazu die Universalhalterung oder das Mount Case fürs iPhone.
  • COBI plus
    Zusätzlich zum COBI Hub mit Frontlicht und Halterung kommt beim Komplettset noch ein AmbiSense Rücklicht dazu.

Getestet habe ich das Komplettpaket bestehend aus Scheinwerfer, Rücklicht und Universal-Halterung für mein Samsung Galaxy S6.

An der rechten Seite findet sich die einzige Taste. Direkt daneben noch eine Kontroll-LED.

Power Taste
Power Taste an der linken COBI Seite

Die Stromversorgung erfolgt über einen entnehmbaren Akkupack. Dieser Lithium-Ionen-Akku wird mit einer Kapazität von 2.850 mAh bzw. 20,5 Wh angegeben. Zum laden wird er aus dem Hub entnommen und per microUSB geladen. Eine Lademöglichkeit per Nabendynamo gibt es übrigens nicht, auch wenn das früher schon mal in dem ein oder anderen Artikel angekündigt wurde.

Akku im COBI Hub
Einsetzen vom Akku in den COBI Hub

Auf den Hub wird die Halterung für das Smartphone aufgeschoben.

Für iPhone 6 gibt es eine passgenaue Hülle. Diese passt auch bedingt für das iPhone 7. Über diese Hülle wird auch gleich die Stromverbindung zum Hub hergestellt. Mitgeliefert wird für die iPhone Hüllen auch gleich ein passender Regenüberzug.

Für Android Telefone gibt es die Universal Klemm-Halterung. Diese bleibt am Fahrrad.

COBI Universal Halterung
Galaxy S6 beim einlegen in die Universalhalterung

Eigentlich bin ich kein Freund von Klemmhalterungen. Die COBI Klemme ist aber super. Richtig lange Backen sorgen für Stabilität. Auch das Problem mit gedrückten Tasten an der Seite, welches bei normalen Klemmbacken gerne mal auftritt, gibt es hier nicht. COBI hat die Klemme dreieckig ausgeführt. So wird das Telefon an den Kanten sicher gehalten, ohne die seitlichen Knöpfe zu drücken.

Die Stromversorgung übernimmt ein kurzes Kabel. Mitgeliefert wird eine microUSB Version und ein Lightning Kabel.

Cobi Stromkabel
Stromverbindung vom Hub zum Smartphone mit kurzem Spezialkabel

Montage von COBI am Fahrrad

Erster Schritt zum smarten Fahrrad ist die COBI Montage am Lenker.

Die Hub genannte Basis mittig auf dem Lenker positionen.  Mit Hilfe der beiliegenden Gummi Adapter die Schellen an den Durchmesser der Lenkerstange anpassen und mit vier Schrauben befestigen. Das nötige Werkzeug liegt bei.

Anschließend noch den Controller möglichst nahe an einem der Griffe festschrauben. Für diese Schelle gibt es keine Adapter zum anpassen des Durchmessers.

COBI Daumencontroller
Daumencontroller am linken Griff

Die Taste für die Klingel muss zu dir zeigen.

Als Anleitung zur Montage gibt es auch ein Video von COBI.

Als nächstes den Akkupack per microUSB laden und einsetzen.

Den Universal Mount für das Smartphone in die Nut einschieben und mit den beiden kleinen Schrauben fixieren. Dazu benötigst du einen Kreuz-Schraubendreher.

Jetzt ist die Montage am Fahrrad beendet. Wenn die Durchmesser am Lenker passen ist das für einen durchschnittlichen Nutzer in knapp einer halben Stunde erledigt.

Weiter geht es mit dem Pairing-Prozess zwischen Smartphone und COBI Hub.

COBI einrichten

Nachdem die Hardware am Fahrrad montiert ist und der Akku geladen und eingesetzt ist, muss vor der ersten Fahrt noch die App auf dem Smartphone installiert und eingerichtet werden.

Die COBI App gibt es kostenlos für Android und iPhone.

COBI
COBI
Entwickler: COBI
Preis: Kostenlos
COBI
COBI
Entwickler: COBI
Preis: Kostenlos

Nach dem Start der App musst du erst einen kostenlosen Account anlegen und deine Email Adresse bestätigen.

Dein Smartphone mit dem Cobi Hub koppeln geht extrem unkompliziert. Einfach nah ranhalten und den Anweisungen auf dem Smartphone folgen. Nach kurzer Zeit steht die Verbindung. Vermutlich wird dir dann erst mal ein Firmware Update angeboten.

COBI koppeln COBI Firmware Update
COBI mit dem Smartphone koppeln und Firmware Update starten

So ein COBI-Hub-Update geht ganz leicht. Smartphone in die Nähe vom Hub halten, Knopf an der Seite ca. 10 Sekunden drücken bis der Download auf dem Display startet. Abwarten, ab und zu Weiter drücken und fertig.

Weiter geht es mit dem Einrichten der COBI App.

Farb-Theme der App, Fahrrad-Typ und Name eingegeben, schon kann es losgehen – sagt die App.

COBI Startbildschirm
COBI ist startklar

Was noch fehlt sind: Karten-Download, Musik Einstellungen und Kontakte.

COBI einrichten
Einrichten der App und Karten Download

In den EinstellungenKarten findest du Offline Karten für fast jeden Winkel der Erde. Durchklicken und runterladen solltest du aber besser im heimischen WLAN.

Um einen Kontakt in der COBI App angezeigt zu bekommen musst du ihn in der Kontakte-App als Favorit markieren. Bei Samsung geht das über den Stern neben dem Namen.

Navigation mit COBI

Komme ich zur Kernfunktion von COBI – der Navigation.

Zieleingabe erfolgt entweder über die Karte mit einem langen Druck auf den Zielpunkt oder per Tastatureingabe. Nur in einer einzigen Zeile alles eintippen. Die Suche erfolgt online, wie von Google Maps gewohnt.

COBI Ziel Screen
Zieleingabe per Suchfunktion

Angeboten werden drei unterschiedliche Routenvarianten, schnellste, kürzeste und ruhigste.

Die Qualität der Routen ist meist okay, auch wenn das mit ruhiger Strecke so eine Sache ist.

COBI Navi Screen
COBI Navigationsscreen mit Datenfelder links und Navihinweisen im Kreis

Währen der Navigation bekommst du links einige Infos zur Tour angezeigt. Leider lassen sich diese Datenfelder nicht konfigurieren.

Zur Orientierung bekommst du die Entfernung zur nächsten Abzweigung angezeigt.

Zusätzlich gibt es noch Sprachansage, wie vom Auto bekannt. In Verbindung mit einem Bluetooth Headset ist das angenehm zu nutzen. Ich bevorzuge da meinen smarten Helm von Livall* mit eingebauten Lautsprechern.

Richtig gut hat mir die Bedienung der Navigationskarte während der Fahrt gefallen. Alles funktioniert sicher und bequem mit dem Daumencontroller.

COBI 2D Navi Screen
COBI im 2D-Navigations Modus

Mit einem Druck auf die mittlere Taste wechselst du zwischen 2D und 3D Ansicht. Die hoch- und runtertasten wechseln den Zoom. So kannst du schnell zwischen Überblick und Detailansicht wechseln.

COBI 3D Navi Screen
COBI im 3D-Navigations Modus

Mein Zwischenfazit zur Navigation ist durchwachsen:

Die Karte ist super übersichtlich und intuitiv zu bedienen. Die Anweisungen kommen klar und pünktlich.

So richtig rund ist aber weder die Eingabe des Ziels per Suche noch die Beendigung der Tour umgesetzt. Von kompletter offline Funktion, Anpassung der Datenfelder, Tour Tagebuch und GPS-Track Export ganz zu schweigen.

In diesem Bereich hat COBI noch einiges zu tun und sollte zügig nachlegen.

Für eine perfekte Tourplanung greift man am besten auf Planungs-Profis wie Outdooractive oder komoot zurück und importiert die Tracks in COBI zum nachfahren.

komoot Touren und COBI

Um geplante Touren zu fahren kannst du COBI mit deinem komoot Account koppeln. (EinstellungenVerbundene Dienste)

COBI komoot Screenshots
COBI und die Navigation entlang von geplanten Touren
komoot Tour Screen
Tour Import aus komoot

Nachdem komoot eindeutig zu meinen Favoriten bei der Tourplanung gehört (zum Praxistest) finde ich das natürlich super

Auch in der Praxis hat sich die Kombination aus komoot Routenplanung und COBI Navigation bewährt.

Tour in komoot wie gewohnt planen und speichern.

Bei COBI in die Navi Suche gehen und komoot wählen. Jetzt werden dir deine geplanten Touren angezeigt, du wählst eine aus und los geht’s.

Im Test habe ich auch eine Tour in der Mitte begonnen. Erst hat die Cobi Navigation versucht mich zum Startpunkt der Tour zu führen. Als ich ein paar hundert Meter frei nach Karte entlang der geplanten Strecke gefahren bin, wechselte die Routenführung und leitete mich exakt entlang der geplanten Strecke zum Ziel.

COBI für Musik und Telefon

Die Musik Steuerung ist recht knapp gehalten. Vor dem Start der COBI App musst du den Player deiner Wahl öffnen und am besten gleich die Wiedergabe starten.

Ab dann kann die COBI App die Steuerung übernehmen.

COBI Musik Screen
Musikplayer Steuerung mit COBI
Livall BH60 Smarthelm
Headset Lautsprecher im Helm oberhalb der Ohren

Deutlich praktischer als telefonieren und Musikwiedergabe direkt über das Smartphone ist ein Bluetooth Headset.

Hier hat sich wieder mein smarter Livall Helm mit eingebautem Bluetooth Headset bewährt.

Musik und Telefonie ist nett, wobei gerade die Musiksteuerung besser gelöst sein könnte.

Stichwort: Musik-App Auswahl. Für mich hat das Thema Musik keine gesteigerte Priorität.

Fitness mit COBI

TICKR COBI Screen
Wahoo TICKR mit COBI verbunden

Auf dem Dashboard gibt es einen eigenen Menüpunkt für Fitness.

Ich habe im Test das Smartphone und damit COBI mit einem Brustgurt gekoppelt. Die Verbindung zum Wahoo TICKR klappte perfekt.

Der COBI Fitness Teil ist (noch?) sehr rudimentär. Die Herzfrequenz wird halt angezeigt und die verbrauchten Kalorien.

Beim Versuch das Fitness Menü per Daumencontroller aufzurufen wackelte nur der Menüpunkt. Mehr ist also noch nicht vorhanden.

AmbiSense COBI Rücklicht

Als Zubehör gibt es das passende smarte Rücklicht.

COBI Rücklicht
COBI Rücklicht an der Sattelstütze

Montiert wird es am besten an der Sattelstütze. Da keine Anpassung vom Durchmesser der Klemmschelle möglich ist kann das zum Problem werden.

Gekoppelt wird über die COBI App, EinstellungenMein BikeAmbiSense Rücklicht.

COBI AmbiSense Screenshot
Koppeln vom COBI AmbiSense Rücklicht

Gesteuert, sprich ein- und ausgeschaltet wird das Licht dann über das Smartphone und den COBI Hub. Geplante Funktionen wie Bremslicht und Blinker kommen (vielleicht?) später oder sind in Deutschland nicht erlaubt.

Selbst für das Rücklicht gibt es von Zeit zu Zeit Firmware Updates zum einspielen.

Mich hat allerdings genervt, dass ich noch einen Akku laden musste. Hier bin ich halt von einer fest installierten Stromleitung zum Nabendynamo verwöhnt.

COBI Erfahrungen auf der Radtour

Regenschutz gibt es nur für die iPhone Halterungen. Wenn dein Android Smartphone nicht selbst wasserfest ist, hast du Pech gehabt.

COBI am Lenker
COBI mit schickem Frontlicht am Lenkertaschen-Adapter befestigt

Oder du versuchst es, zusammen mit einer wasserdichten Hülle in die Universal Halterung zu bekommen. Da würde mir die SealaBox von Krusell (mein Praxistest) einfallen. Habe das aber nicht getestet.

Die Einstellungen in der App könnten übersichtlicher und intuitiver gestaltet sein.

Sowohl die Befestigung der Halterung auf dem Hub als auch der Akku klemmten ab und an etwas. Bei der Universal Halterung ist das kein Problem, die bleibt ja immer drauf. Für das iPhone Modell sollte da noch nachgebessert werden.

Der mittlere Button reagiert nicht immer zuverlässig. Wenn man nicht genau in der Mitte drückt spürt man zwar den Druckpunkt aber es passiert nichts. Besonders aufgefallen ist mir das mit Handschuhen.

Schloss Symbol für die Alarmanlage

Und dann war da ja noch die Alarmanlage.

Hier sollte man nicht zu viel erwarten. Wenn das Rad per App „abgeschlossen“ ist und man dran wackelt, dann kommt halt ein Sirenenton (nicht sonderlich laut) und der Scheinwerfer blinkt. Ob das einen Dieb wirklich abhält?

Stärken
  • Koppeln und Basis Einstellungen
  • Ordentliche Hardware
  • Routen Navigation
  • Steuerung der Karte
Schwächen
  • Offline Funktionen
  • Preis
  • Tourverwaltung
  • Zentralbutton Daumencontroller

COBI kaufen – ja oder nein?

Das Potential dieser Lösung ist auf jeden Fall groß.

Die gebotene Hardware ist sehr gut. Stabile Smartphone Halterung (zwar nur Querformat) mit eingebautem Akkupack und Daumencontroller in Griffnähe.

Bleibt noch die Frage: Welche COBI Version soll ich kaufen?
Sofern dein Fahrrad bereits über Scheinwerfer und Rücklicht verfügt, rate ich dir zum günstigen Basismodell*. Legst du Wert auf modernen Style, dann sollte es ein COBI mit dem coolen Frontlicht sein.

Wenn du auch die Fahrrad-Beleuchtung mit Cobi abdecken willst, dann greife gleich zum Komplettpaket.

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2 Kommentare, sei der Nächste!

  1. Hallo, Matthias,
    Super System, konnte ich eine Weile als Ebike- Variante an einem Bosch Performance Mittelmotorantrieb MTB verproben.

    Die Lösung hat mir deutlich besser gefallen, als das original verbaute Bosch Intuvia / Nyon Display / Computer, vor allem auch, weil man alle seine Apps (kommot, Naviki und Garmin Connect) gleichzeitig benutzen konnte. Nebenbei habe ich auch noch Musik an mein BT Headset gestreamt und das Smartphone (IPhone 6 / und mit universal Mount ein Androiden Blackberry Priv) wurde einwandfrei aufgeladen.

    Mittlerweile bin ich allerdings wieder weg von dem System, da ich das Bosch MTB verkauft habe und das System auf meine Ebike Eigenbauten nicht ohne weiteres adaptieren konnte.
    Würde ich wieder ein Bosch MTB kaufen sollen, wäre es auf jeden Fall wieder erste Wahl, auch weil es noch ungemein ausbaubar und viel Potenzial ist.

    VG
    Marci

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