Mio Cyclo Discover Plus im Praxistest

Eine Tourenrad Navigation mit großem Display. Wie gut der Discover Plus auf der Radtour funktioniert klĂ€re ich im ausfĂŒhrlichen Review. 

Veröffentlicht: 19. Januar 2021
Letzte Aktualisierung: 1. Februar 2021
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Navigation fĂŒr Tourenradler ohne Firlefanz. Diesen Wunsch an eine Fahrrad Navigation höre ich sehr oft. 

Mio hat dafĂŒr seine Discover Serie im Angebot. 

Mio ist ein Ableger vom taiwanesischen MiTac Konzern. Nachdem es in Deutschland lange ruhig um Mio war, geben sie jetzt mit Marketing und Vertrieb wieder Gas.
Grund genug sich das Top-Modell der Tourenrad Serie mal genauer anzuschauen.

Ich habe mir den Mio Cyclo Discover Plus (UVP: 340 Euro) mehrere Wochen auf dem Fahrrad angeschaut und ausfĂŒhrlich getestet. 

Transparenzhinweis:
Das TestgerĂ€t wurde mir kostenlos und ohne Auflagen vom Hersteller zur VerfĂŒgung gestellt. 

👍 Mio Cyclo Discover Plus Highlights 

Folgende Besonderheiten fielen mir beim Mio sofort auf und werden im ausfĂŒhrlichen Praxistest intensiv getestet:

  • Großes Display 
  • Komoot Integration 
  • Tourenrad optimierte Navi Funktionen 

✔ Hardware & Display 

Dominiert wird der Mio Cyclo Discover Plus von einem 4 Zoll Display (10,16 cm) mit Touchscreen und einer Auflösung von 360 x 600 Pixel.

Das macht natĂŒrlich das GehĂ€use entsprechend groß. Ergibt 73,7 x 129,4 x 22 mm bei einem (nachgewogenen) Gewicht von 186 Gramm.

Der Mio Discover Plus auf der Waage
Der Mio Discover Plus auf der Waage

Zur Bedienung befinden sich drei Tasten an der rechten Seite.
Ganz oben: Power Button und Displayhelligkeit
In der Mitte: Start/Stopp der Aufzeichnung
Unten: Rundentaste

Alle Mio Discover Plus Tasten auf der rechten Seite
Alle Mio Discover Plus Tasten auf der rechten Seite

Gegen Regen und Dreck ist das GehĂ€use nach IPx7 geschĂŒtzt.

Daten werden auf 8 GB Speicher intern abgelegt. Eine Erweiterung per microSD ist nicht vorhanden.

Einen Lautsprecher gibt es nicht. Lediglich ein Piepser (Buzzer) weist auf kommende Abzweigungen hin.

FĂŒr eine bessere Höhenmessung ist ein barometrischer Höhenmesser eingebaut.

Auf der RĂŒckseite gibt es noch eine Öse fĂŒr eine Fangleine.

🔋 Akkulaufzeit

Im Inneren ist ein fest eingebauter Li-Ionen Akku eingebaut. Geladen wird ĂŒber microUSB Buchse, die hinter einer Gummiabdeckung geschĂŒtzt vor Wasser liegt.

Die geschĂŒtzte microUSB Buchse auf der Mio RĂŒckseite
Die geschĂŒtzte microUSB Buchse auf der Mio RĂŒckseite

Die Akkulaufzeit gibt Mio mit bis zu 15 Stunden an. In der Praxis kam ich auf Werte zwischen 7 und knapp 12 Stunden. Damit bewegt sich der Mio im Mittelfeld. Im Prinzip gut, aber durch die SchwĂ€chen vom Display muss die Hintergrundbeleuchtung immer etwas stĂ€rker aufgedreht sein, was die Akkulaufzeit eher unter die 10 Stunden Marke drĂŒckt.

✔ Fahrrad Halterung 

Um den Mio am Lenker zu befestigen liegt eine Basis-Halterung im Lieferumfang dabei. Diese wird mit zwei Kabelbindern festgezurrt.

Mio Fahrradhalterung funktioniert auch an vollgestopften Lenkern
Mio Fahrradhalterung funktioniert auch an vollgestopften Lenkern

Erfreulich finde ich den geringen Winkel um den das GerÀt zum befestigen und lösen gedreht werden muss. So klappt das auch an Lenkern mit wenig Platz zwischen Klingel und eBike Display.

✔ Mio Einrichtung

Die erste Inbetriebnahme enthÀlt eine Besonderheit. Du musst einen Code zur Kartenfreischaltung von der Verpackung im GerÀt eintippen.

Beim ersten einschalten muss der Code von der Verpackung abgetippt werden
Beim ersten einschalten muss der Code von der Verpackung abgetippt werden

Anschließend das CycloAgent Tool (Win und Mac) runterladen und installieren.

Das CycloAgent Tool auf dem PC
Das CycloAgent Tool auf dem PC

Über die Computer Software erfolgt das Firmware Update und neue Karten werden installiert. Insgesamt ist das Tool etwas altbacken, auch wegen der Sonder-Treiber-Installation. Sollte aber machbar sein.

⚡ Schnittstellen – Connectivity 

FĂŒr die Verbindung zur Außenwelt stehen folgende Schnittstellen zur VerfĂŒgung:

  • microUSB
    Laden und Datenaustausch
  • WLAN
    Direkte Verbindung zum Internet. Wichtig fĂŒr Tour Download von den online Portalen und den Sync mit dem Mio Online Portal.
  • Bluetooth
    FĂŒr die Verbindung zum Smartphone. Und wirklich nur diese Option. BLE Fitness Sensoren lassen sich nicht koppeln und ein einfacher GPX-Track Transfer vom Telefon auf den mio funktioniert auch nicht. Auf dem Telefon ist nur die CycloSmart App als BT Partner vorgesehen.
Mio Discover Plus Datensync lĂ€uft ĂŒber WLAN
Mio Discover Plus Datensync lĂ€uft ĂŒber WLAN

✔ Mio Bedienung 

Auf den ersten Blick schaut die Navigation sehr ĂŒbersichtlich aus. Startseite mit großen Kacheln fĂŒr die wichtigsten Funktionen.

Auch darunter wird es nicht verschachtelt sondern höchstens auf mehrere Seiten verteilt.

EinstellungsmenĂŒ fĂŒr Routenoptionen
EinstellungsmenĂŒ fĂŒr Routenoptionen

WĂ€hrend der Fahrt konzentriert sich die Anzeige ganz auf die Karte. Unten noch zwei Datenfelder und das wars erst mal. 

Der Wechsel von der Karte auf die Daten-Seite ist zu kompliziert. Statt wie BranchenĂŒblich einfach per Wischgeste durchzublĂ€ttern musst du kurz auf den Bildschirm tippen. Dann erscheint unten der „ZurĂŒck Button“ zur Startseite und der Pfeil zur Datenseite.

Kartenansicht wĂ€hrend Navigation und Bedienleiste fĂŒr Seitenwechsel
Kartenansicht wĂ€hrend Navigation und Bedienleiste fĂŒr Seitenwechsel

FĂŒr unterschiedliche RĂ€der stehen verschiedene Profile zur VerfĂŒgung. Damit kannst du beispielsweise fĂŒr das Trekkingbike andere Einstellungen nutzen als fĂŒrs Rennrad.

✔ Karten im Mio

Neben den obligatorischen Open Street Map Karten sind auch noch Informationen aus Tele Atlas (TomTom) auf dem Mio enthalten. Jedenfalls werden im CycloAgent beide Datenquellen angegeben. Getrenntes aktivieren und deaktivieren ist nicht möglich.

ZusÀtzliche Karten sind nach meinem Wissen nicht möglich.

Das Design der Karte wĂŒrde ich mal als gewöhnungsbedĂŒrftig bezeichnen. 
Sehr intensive Farben und dicke Straßen und Wege, die sich teilweise ĂŒberdenken.

Deutlich hervorgehobene Radrouten
Deutlich hervorgehobene Radrouten

Sehr schön sind die in krĂ€ftigem Lila hervorgehobenen Fahrradrouten auf der Karte. Darunter fallen beispielsweise die großen, ĂŒberregionalen Radwege wie Mainradweg oder das Knotennetzwerk in Holland und Norddeutschland.

🏁 Navigation 

FĂŒr die ZielfĂŒhrung gibt es die beiden Hauptvarianten – Touren und Navigieren.

Touren werden entlang importierter Tracks mit RoutenfĂŒhrung und Abbiegehinweisen nachgeradelt. 

Navigieren bedeutet Zieleingabe mit Streckenberechnung im GerĂ€t und anschließender ZielfĂŒhrung wie im Auto.

Eine Sprachausgabe mit gesprochenen Abbiegehinweisen gibt es nicht. 

Die interne Streckenberechnung fĂŒr den Navigieren Teil konnte mich nicht wirklich ĂŒberzeugen. Da kamen teilweise sehr komische Strecken heraus, die nicht nachvollziehbar sind. 

Das hat mich gewundert, denn die Navi-Software stammt von der Firma GPS Tuner, die im Teasi und Sigma ROX 12 deutlich bessere Ergebnisse abliefert. 

Also bleibt die ZielfĂŒhrung entlang importierter Touren.

Um die Strecke auf den Mio zu bekommen hast du folgende Möglichkeiten:

  • GPX-Track am Computer per USB in den Ordner /Dodge/tracks vom Mio_data Laufwerk kopieren
  • WLAN Sync mit MioShare und download der dort hinterlegten Touren
  • Verbindung mit einem der Portale, beispielsweise komoot und dann kommen deine geplanten Strecken per WLAN auf den Mio. Funktioniert super.
Verbinden mit diversen Portalen
Verbinden mit diversen Portalen

Egal wie die Strecke auf den Mio kam, gestartet wird immer gleich:

Von der Startseite die Touren anwÀhlen

komoot oder MioShare wÀhlen. Wenn du die Strecke per USB auf den Mio kopiert hast, findest du sie im Bereich MioShare.

Komoot Tour auf dem Mio Discover Plus auswÀhlen
Komoot Tour auf dem Mio Discover Plus auswÀhlen

Tour auswÀhlen.

Auf den nĂ€chsten Seiten bekommst du Infos zu Höhenprofil, LĂ€nge und kannst wĂ€hlen ob du zum Startpunkt gefĂŒhrt werden möchtest oder am nĂ€chstgelegenen Streckenpunkt beginnen möchtest.

Infos zur Tour und dann geht es los
Infos zur Tour und dann geht es los

Ein Fingertipp auf GO startet die RoutenfĂŒhrung. VerlĂ€sst du die geplante Strecke wirst du meist mit einem kurzen Bogen wieder zurĂŒck auf die Tour gefĂŒhrt.

Abbiegehinweise und Re-Routing beim verlassen der geplanten Strecke
Abbiegehinweise und Re-Routing beim verlassen der geplanten Strecke

WĂ€hrend der ZielfĂŒhrung wird die geplante Strecke als sehr dicke hellgrĂŒne Linie auf der Karte angezeigt. Im Prinzip super, um den Weg gut zu erkennen. Bei Mio ist da aber zu viel des Guten rausgekommen. Die Route ist so breit, dass sie benachbarte Wege teilweise komplett ĂŒberdeckt werden.

Beispiel gefÀllig? An einer Weggabelung trennte sich der Weg auf zwei auf. Auf der Karte sah das aus als ob ein Weg einfach geradeaus weiterlÀuft. So war es quasi unmöglich den richtigen Weg auf der Karte zu erkennen.

✔ NeverMiss Tour

Eine Besonderheit von Mio sind die NeverMiss Touren. Du legst im MioShare Portal Wegpunkte an. Dabei kannst du Name, Art des Wegpunktes, Beschreibung und einen Weblink festlegen.

Der Ortsmanager fĂŒr eine NeverMiss Tour
Der Ortsmanager fĂŒr eine NeverMiss Tour

Diese im Ortsmanager erstellten Orte kannst du dann in deine Routenplanung integrieren. So einen Ort in eine importierte GPX-Tour einzubauen ist mir aber nicht gelungen.

Tourplanung auf dem MioShare Portal mit Wegpunkten
Tourplanung auf dem MioShare Portal mit Wegpunkten

Andere Navi GerÀte nennen diese Funktion AnnÀherungsalarme oder Wegpunkte mit Alarm.

Kurz bevor du auf der Tour den Wegpunkt erreichst wird die Karte von einer großen Infokachel ĂŒberdeckt. Den QR-Code kannst du mit deinem Smartphone scannen und gelangst so zu der vorher definierten Webseite.

Insgesamt ein gutes Feature fĂŒr Reise- und Freizeitradler. Allerdings ist noch etwas Detailarbeit der Entwickler notwendig. Insbesondere um Wegpunkte einfach in importierte Tracks einzubauen oder unabhĂ€ngig von geplanten Strecken zu nutzen.

Mio Discover Plus Erfahrungen 

Das Display ist recht anfĂ€llig fĂŒr Spiegelungen. Auch die Helligkeit könnte an sonnigen Tagen höher sein.

Bei der internen Berechnung der Route musst du die Maximalstrecke von 200 km beachten.

Nachdem es ein fĂŒr Tourenradler konzipierten Navi ist, bietet es keine Möglichkeit externe Sensoren anzuschließen. Bei Fitness Sensoren (Puls, Trittfrequenz…) nicht schlimm. Aber eine eBike Integration (Shimano STEPS und LEV-Profil) wĂ€re wĂŒnschenswert.

StÀrken
  • großes Display
  • gute komoot Integration
  • einfache Bedienung
  • optisch hervorgehobene Radrouten
SchwÀchen
  • enger Winkel in dem Display gut zu erkennen ist
  • Karten + Routen Design
  • wenig ConnectivitĂ€t (eBike)
  • Fehlender Datenimport vom Smartphone

Mio Discover Plus kaufen – ja oder nein? 

Wenn du eine GPS Navigation mit großem Display suchst und bereit bist, ein nicht perfekt ablesbares Display zu akzeptieren und Abstriche bei Streckenberechnung, RoutenfĂŒhrung und Akkulaufzeit machen kannst, dann kannst du den Mio in die engere Wahl nehmen. 

Der Preis von rund 300 Euro wĂ€re mir bei dem gebotenen Gesamtpaket zu hoch.

Fazit Mio Discover Plus

Fazit Mio Discover Plus
  • GPS-EmpfangsqualitĂ€t
  • Akkulaufzeit
  • Bedienung
  • Verarbeitung
  • Kartenauswahl
  • Ausstattung
  • Preis
3.7

Zusammenfassung

Ein großes Display macht noch keine gut ablesbare Navigation. 
Neben der Display QualitĂ€t hat der Mio auch noch bei der Routenberechnung SchwĂ€chen. Die Integration von komoot mit dem Sync ĂŒber WLAN ist super umgesetzt. 
Im Test zeigte sich das Mio Cyclo Discover Plus als durchwachsenes Mittelklasse Fahrrad NavigationsgerĂ€t fĂŒr Tourenradler.

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1 Gedanke zu „Mio Cyclo Discover Plus im Praxistest“

  1. Synchronisation mit Komoot: Ist das so umgesetzt, dass immer alles synchronisiert wird? Das fĂŒhrt dann zu einer unnötigen Datenflut auf dem GerĂ€t, wenn man auf Komoot viele Strecken gespeichert hat.
    Dies ist schon beim Bosch Nyon so, dass viele User dies beklagen.
    Besser wÀre, könnte man gezielt auswÀhlen, welche Daten hin- und Her transferiert werden sollen.

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