Wenn du stürzt und nicht mehr selbst Hilfe holen kannst, wäre es cool wenn automatisch Hilfe benachrichtigt wird. Wie das Specialized Angi Notruf System in der Praxis funktioniert klärt das Review.

Hast du dich auch schon mal unwohl gefühlt wenn du alleine auf Radtour warst?

Für genau diese Situationen sind Sicherheitssysteme wie Crash Erkennung und Notrufsysteme da.

In diesem Review stelle ich dir das ANGi System von Specialized vor.

Schon früher habe ich die Unfallerkennung im Garmin Edge hier im Blog vorgestellt.

Transparenzhinweis:
Das Testgerät wurde mir kostenlos und ohne Auflagen vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

Specialized ANGi Highlights

ANGi steht für „Angular and G-Force Indicator“.
Im Kern ist es ein kleines Stück Elektronik das an deinem Helm befestigt ist.

Mit Strom wird das System von einer CR2032 Knopfzelle* versorgt. Specialized sagt, eine Batterie hält 6 Monate.

Einfacher Batteriewechsel am Angi System
Einfacher Batteriewechsel am Angi System

Glauben die darin enthaltenen Sensoren einen Sturz erkannt zu haben, rufen sie über das verbundene Smartphone Hilfe.

Besonderheiten der Crash Erkennung am Helm:

  • Sensor perfekt am Helm platziert
  • Erkennen Bewegungen und Beschleunigungen Körpernah
  • Leicht erreichbar für Batteriewechsel

Helme mit ANGi System

Aktuell (Oktober 2019) gibt es folgende Specialized Helme mit integriertem ANGi Sensor:

  • Ambush – Mein Testhelm
  • S-Works Dissident
  • S-Works Evade
  • S-Works Prevail II
  • Propero III
  • Ambush Comp E-Bike
  • Ambush Comp
Specialized Ambush Helm mit ANGi System
Specialized Ambush Helm mit ANGi System

Alle anderen Helme ab dem Modelljahr 2019 sind ANGi Ready. Dann kannst du später den Sensor für 50 Euro nachrüsten.

Konto einrichten und Angi aktivieren

Als erstes muss die Specialized Ride App installiert werden. In der ersten Version war die miserabel maschinell übersetzt. Seit einem der letzten Updates ist es aber okay.

Specialized Ride
Specialized Ride
Entwickler: Specialized
Preis: Kostenlos

Um Angi zu aktivieren brauchst du erst mal einen Account mit E-Mail Adresse und Passwort. Soweit akzeptabel und gewohnt.

Der kostenpflichtige Ride Premium Plan mit Kreditkarten Zwang aus den Anfangstagen von Angi ist nach heftigen Protesten jetzt zum Glück Geschichte. Du kannst die Angi Funktionen kostenlos und beliebig lange nutzen.

Angi einrichten - Hier noch mit der alten Code Karte
Angi einrichten – Hier noch mit der alten Karte mit Aktivierungs Code

In der Ride App musst du den Sensor nur anmelden.
Dazu muss er durch leichtes schütteln aufgeweckt werden. Anschließend wurde er in der App im Bereich „Ausrüstung“ sofort gefunden.

Damit bist du bereit für die Ausfahrt.

Mit Specialized ANGi auf Tour

Bevor es los geht musst du Angi erst mal wecken. Ruckartiges aufheben vom Tisch hat bei mir meist gereicht. Ansonsten kurz schütteln.

Jetzt die App starten. Im Tab Aufzeichnen kontrollieren, dass Angi wach und verbunden ist.
Dabei siehst du gleich den aktuellen Batteriestand. Der zeigte bei mir im Test teilweise sprunghafte Änderungen in beide Richtungen an.

Als nächstes solltest du mal links oben in die Einstellungen schauen.

Du kannst eine Auto-Pause aktivieren und wählen, ob deine Tour aufgezeichnet wird oder nur die Sicherheitsfunktion aktiv ist.
Und dann gib es da noch den Fahrzeit-Alarm auf den ich später eingehe.

Specialized Ride App Startseite, Einstellungen und aktive Fahrt
Specialized Ride App Startseite, Einstellungen und aktive Fahrt

Ist alles nach deinen Wünschen eingestellt geht es nach einem Tipp auf „Fahrt starten“ auch schon los und das Notruf System ist aktiv.

Wichtig zu wissen:
Die Fahrt muss gestartet sein. Allerdings ist eine Aufzeichnung der Strecke nicht Pflicht.

Wer möchte, kann die Aufzeichnungen auch direkt über die Strava Integration an das soziale Sportler Netzwerk übertragen.

Sturz mit ANGi und Notruf

Glücklicherweise kam es während dem gesamten Testzeitraum nicht zu einem ernsthaften Sturz.

Aber durch klopfen und schlagen auf den Helm habe ich den einen oder anderen „Crash“ ausgelöst.

Ein Crash wurde erkannt und der Alarm ausgelöst
Ein Crash wurde erkannt und der Alarm ausgelöst

Erst mal jault das Telefon laut auf. Du hast jetzt 15 Sekunden Zeit, den Alarm auszuschalten, wenn es ein Fehlalarm war oder du trotz Sturz keine Hilfe brauchst.

Brichst du den Notruf nicht ab, geht nach den 15 Sekunden automatisch die Benachrichtigung an deine Notfall Kontakte raus. Sowohl als SMS als auch per E-Mail.

So schaut das für dein Gegenüber aus.

Die Alarmmeldung per SMS und E-Mail bei deinem Notfallkontakt
Die Alarmmeldung per SMS und E-Mail bei deinem Notfallkontakt

Was passiert im Handy-Funkloch?

Leider ist das in Deutschland ja nicht so schwer ein Funkloch im Handynetz zu finden. Was ist, wenn dort ein Unfall passiert?
Im ersten Moment hast du Pech gehabt.

Aber sehen wir es mal so: Mit deinem normalen Handy könntest du auch keine Hilfe holen. Du verlierst also nichts.

Als zweite Möglichkeit bietet Specialized den Fahrzeit-Alarm.
Das ist die digital erweiterte Version von „Schatz, ich bin für eine Stunde mit dem Rad unterwegs“.

Du stellst die geplante Dauer deiner Ausfahrt ein und startest die Fahrt. Wenn du jetzt im Funkloch stürzt und somit nicht innerhalb der geplanten Zeit die Tour beendest, werden die Notfallkontakte benachrichtigt.
Wenn du Streckenaufzeichnung aktiv hast, sieht der Notfallkontakt alle bisherigen Wegpunkte, was das Suchgebiet schon stark einschränkt.

Aktivierung des Fahrzeit-Alarm und Meldung bei fehlender Deaktivierung
Aktivierung des Fahrzeit-Alarm und Meldung bei fehlender Deaktivierung

Ohne Aufzeichnung wird nur die letzte bekannte Position übermittelt. Die lag bei mir im Test meist extrem weit daneben. Teilweise sogar noch am Startpunkt.

Schlussfolgerung: Wenn du den Fahrzeit-Alarm aktivieren möchtest, dann empfehle ich auch die Track Aufzeichnung zu aktivieren.

Wenn du im Funkloch noch mehr Sicherheit willst, musst du auf ein Satelliten Kommunikationssystem setzen.
Garmin InReach Mini und Spot X habe ich bereits ausführlich getestet.

Erfahrungen mit Specialized ANGi Helm

Als der Helm neu auf den Markt kam, war für den Sturz Notruf eine Registrierung mit Kreditkartenpflicht und Gebühr nach dem ersten Jahr fällig.
Da ist Specialized aber recht schnell zurückgerudert und hat die Zwangsmaßnahmen bis auf eine Registrierung wieder abgeschafft.

Der ANGI Sensor auf dem Specialized Helm
Der ANGI Sensor auf dem Specialized Helm

Nach dem ersten simulierten Sturz mit Hilferuf an den Notfallkontakt waren alle Kontaktdaten aus der App verschwunden. Ärgerlich und nicht vertrauenserweckend.

Persönliches Fazit?

Die Ingenieure haben anscheinend einen guten Sensor abgeliefert. Nach anfänglichen Problemen und Protesten hat Specialized das ANGi System auf der Nutzerkonto Seite entschärft und praktikabler gemacht.

Lästig finde ich, dass ich das System vor jeder Fahrt aktivieren muss. Das vergisst man schnell mal.
Besser wäre, wenn sich der Helm nach dem aufwecken selbständig mit der App verbindet und aktiv auf einen Sturz wartet. Nur wer Aufzeichnung oder Fahrzeit-Alarm möchte, müsste dann noch in die App.

Ich hoffe, dass Specialized da bis zur 2. ANGi Generation noch etwas optimiert und erweitert.

Was sagst du zu Sicherheits- und Notrufsystemen für Radfahrer? Schreib mir deine Meinung in die Kommentare.

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