Wasserdichte GPS Fahrradnavigation – Was bedeuten die IP-Zertifizierungen?
Veröffentlicht: — Letzte Aktualisierung: 25. Juni 2017
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Navigation bei Regen. Da braucht die Elektronik schon einen guten Witterungsschutz.
In diesem Ratgeber erkläre ich dir, was es mit den IP-Schutzklassen auf sich hat und worauf du beim Kauf achten solltest.

Eine Outdoor- und Fahrradnavigation muss auch bei Wind und Wetter funktionieren.

Regen darf die empfindliche Elektronik nicht beschädigen.

Deshalb haben die Hersteller ihre Geräte entsprechend geschützt. Diese Resistenzen wurden dann in weltweit gültige Schutzklassen unterteilt.

IP-Schutzklassen erklärt

Für eine gute Vergleichbarkeit anhand von klar definierten Klassen wurde eine Norm eingeführt.

Die Witterungsbeständigkeit wurde international normiert und taucht häufig als IP-Schutzklassen in den Datenblättern von Navigationsgeräten und Smartphones auf.

Hinter der Abkürzung verbergen sich gleich drei Begriffe:

Der erste Begriff steckt im IP, das steht für International Protection.

Dessen Werte werden von der DIN, der ISO und anderen Standardisierungs-Organisationen akzeptiert und eingehalten.

Die nächsten Informationen stecken in den beiden folgenden Ziffern. Genau genommen gibt es noch die Ziffern 3 und 4. Die spielen für unsere Anwendung aber keine Rolle.

Erste Ziffer für den Berührungsschutz

Robustes Smartphone im Sand
Robustes Smartphone im Sand

Dabei könnte man auch von Schutz gegen Staub und Dreck sprechen.

Für Navigationsgeräte und Smartphones sind erst Werte ab IP4x relevant.
Die folgenden Formulierungen stammen aus der Wikipedia.

  • IP4x: Geschützt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ab 1,0 mm
  • IP5x: Geschützt gegen Staub in schädigender Menge
  • IP6x: Staubdicht

Zweite Ziffer für den Wasserschutz.

Die Schutzklassen unter der IPx4 kann man für den Outdoor Bereich absolut vernachlässigen.

Android Smartphone im Regen
Android Smartphone im Regen
  • IPx4: Schutz gegen allseitiges Spritzwasser
  • IPx5: Schutz gegen Strahlwasser (Düse) aus beliebigem Winkel
  • IPx6: Schutz gegen starkes Strahlwasser
  • IPx7: Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen
  • IPx8: Schutz gegen dauerndes Untertauchen
  • IPx9: Schutz gegen Wasser bei Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung

Die gesamten IP-Code Angaben beziehen sich übrigens nur auf Frischwasser.
Salzwasser, Seifenwasser oder anderweitig verunreinigtes Wasser besitzt andere Leit- und Kriecheigenschaften und kann deshalb nur schwer in einer Norm abgebildet werden.

Für Regenwasser, wie es am Fahrrad und anderen Outdoor Aktivitäten vorkommt, ist die Norm aber problemlos anzuwenden.

Schutz der Outdoor Navigation nach IPX7

Bei den Outdoor Navigationsgeräten gibt es eigentlich nur geschützte Gehäuse.

Falk gibt beim TIGER Geo und Pro etwa die konservativ gehaltene Schutzklasse IPx5 an. Auch Teasi spricht bei Pro, One² und One³ von IPx5.

Teasi Fahrradnavigation beim Regentest
Teasi Fahrradnavigation beim Regentest

Garmin traut sich mehr zu und gibt IPx7 als Zertifizierung an.

Um das Navi auf seine Wasserfestigkeit zu überprüfen, läuft der IPx7 Test folgendermaßen ab:

Das Gerät wird in ein Tauchbecken mit einem Meter Wassertiefe gelegt. Hier verbleibt das Gerät für 30 Minuten.

Garmin Oregon 650t, Garmin GPSmap 64s
Garmin Oregon und GPSmap im Regen

Wenn es diese Prozedur übersteht, ohne dass Wasser eindringt, hat es die Bedingungen für die Zertifizierung nach IPx7 erfüllt.

Wasserdichtes Smartphone

Spannender wird es da bei den Smartphones. Die meisten Hersteller machen (leider) keine Angaben.

Größter Vertreter hier ist war Apple, die keine Schutzklasse angegeben haben.

Seit dem iPhone 7 und iPhone 7 Plus hat Apple hier zur Konkurrenz aufgeschlossen und gibt IP67 als Schutzklasse an.

Aber auch iPhones bis zum 6er gehen nicht beim ersten Regentropfen kaputt. Habe ich schon selbst ausprobiert.

Ein schlechtes Gefühl bleibt und bei einer Fahrt im Regen lasse ich das alte iPhone 5 nicht für längere Zeit am Lenker. Alternativ packe ich es in eine Schutzhülle.

Regenschutz durch spezielle Smartphone Hülle
Regenschutz durch spezielle Smartphone Hülle

Samsung gibt beim neuen Galaxy S7 Smartphone IP68 als Schutzklasse an. Dazu noch die zusätzlich Angaben zu Dauer und Tiefe des tolerierten Wasserkontakts. Im Falle des Galaxy S7 sind das „bis zu 30 Minuten in 1,5 m Tiefe“.

Für mich grenzt das an eine Werbe-Lüge. IPx8 sagt eindeutig „dauerndes Untertauchen“. Samsung relativiert das auf 30 Minuten, was IPx7 entspricht. Lediglich die zugesicherte Tauchtiefe übersteigt die IPX7 Norm.

Eine Auswahl weiterer Smartphones mit Outdoor tauglicher Schutzklasse:

  • Samsung Galaxy S4 active – IP67
  • Samsung Galaxy S5 – IP67
  • Samsung Galaxy S6 – keine Zertifizierung
  • Samsung Galaxy S7 – IP68
  • Sony Xperia Z3 – IP67
  • Sony Xperia Z5 – IP68
  • Sony Xperia XZ – IP65
  • Apple iPhone 7 und 7 Plus – IP67

Mehr Schutz durch Militärstandard

Willst du eine Navigation oder ein Smartphone, das noch mehr aushält, dann brauchst du ein Gerät nach Militärnorm.

Das CAT S50 bietet mehr Schutz als IP67
Das CAT S50 bietet mehr Schutz als IP67

MIL-STD-810 umfasst einen ganzen Katalog an Tests zu Wasser, Feuchtigkeit, Temperaturschock, ballistischen Schock, Pilzbefall und ähnliche „sinnvollen“ Beanspruchungen.

Wichtig hierbei ist allerdings, dass trotz MIL-STD-810 Werbe-Aufkleber, das Gerät nicht gegen alle genannten Einwirkungen geschützt ist. Der Hersteller nimmt sich lediglich einzelne Bereiche der Norm heraus.

Ein Smartphone wird trotz MIL-STD-810 Prüfung nicht gegen „Ätzende Atmosphäre“ resistent sein, wie in Testmethode 518.1 der MIL-STD-810 Norm beschrieben.

Mein CAT S50 Wassertest im Plantschbecken
Mein CAT S50 Wassertest im Plantschbecken

Das hier im Blog bereits getestete CAT S50 Smartphone (zum Praxistest) erfüllt beispielsweise einige Punkte der MIL-Spec.

Persönliches Fazit

Bei Outdoor Navigationsgeräten und Fahrradcomputern muss man sich keine Gedanken um die Staub- und Wasserdichtigkeit machen. Die ist immer ausreichend.

Wahoo ELEMNT im Regen - dank IPX7 kein Problem
Wahoo ELEMNT im Regen – dank IPX7 kein Problem

Ganz anders schaut das bei Smartphones aus, die auch zur Fahrradnavigation eingesetzt werden sollen. Während ältere iPhones bei Regen mit einer Hülle geschützt werden sollten, kannst du mit einem Galaxy S7, iPhone 7 oder Sony XZ auch ohne zusätzliche Schutztasche weiterfahren.

Achtest du beim Kauf auf die Schutzklasse? Schreib mir deine Meinung in die Kommentare.

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11 Kommentare, sei der Nächste!

  1. Bisher habe ich nicht auf die IPxx- Norm geachtet- leider.
    Dass ich mit Outdoor-Geräten nicht tauchen gehen kann,war mir klar. Aber ich ging selbstredend davon aus, dass sie einigermaßen wetterfest sind. Großer Fehler!!
    Mein TEASI pro (IPX5) streikte beim ersten mäßigen Regenschauer – und wurde anstandslos ausgetauscht. Dann kam der nächste Regenschauer (transalp – da kann man sich das Wetter nicht immer aussuchen) und wieder zog Wasser unter das Display. Nun bin ich auf Garmin umgestiegen (IPX7) Auf der gerade abgeschlossenen Andalusien-Rundfahrt ist an einem langen Regentag keines der 5 Garmin ausgestiegen… LG Jochen

  2. Hallo,

    ich werde ab demnächst die Herbert Richter Splashbox iGRIP mit meinem Smartphone (BlackBerry Z10) benutzen. Leider gibt der Hersteller nichts über die IPXXX Kennung preis.

    Bislang sehe ich ein Manko. Die Box ist eher für Samsung Smartphones ausgerichtet, da der Ausgang für das Kabel unten ist – meine BlackBerry hat den entsprechenden USB Port an der linken Seite.

    Ich werde aber gern berichten, wie sich die Splashbox im Praxistest anlässt.

  3. Interessant wäre gewesen, wie sich die Smartphones bei Regen verhalten. Kapazitive Touchscreens interpretieren Nässe gern als Berührungen mit dem Ergebnis, dass zum Beispiel die Navigations-App vom Bildschirm verschwunden ist und sich zum Beispiel die Telefon-App eingeschaltet hat. Das sollte man beim Einsatz von Smartphones als Navi bedenken. Weiterer wichtiger Faktor ist die Akku-Laufzeit, die meist nicht für einen ganzen Tag auf dem Rad ausreicht.
    Ich habe bisher vier Geräte ausprobiert: die Navis Falk M4 mit der Scout-App und Teasi Pro, als Smartphones Blackview BV5000 (Direktimport aus China), und als dieses zum ersten Mal seinen Geist aufgab, das IP68-zertifizierte Sony Xperia M4. Das Blackview glänzte mit superlangen Laufzeiten von mehr als zwei Tagen und schnellem GPS, ließ sich aber nach vollständigem Entladen des Akkus nicht mehr zum Leben erwecken. Eingeschickt bekam ich es nach einem halben (!) Jahr zurück. Es hat dann eine Radtour überstanden und mich gut geleitet. Bei der folgenden 5-tägigen Wanderung war nach 4 Tagen die USB-Buchse defekt. Sie hatte sich vollständig von der Platine abgelöst. Ein Reparaturversuch (Anlöten vom Spezialisten) hat nicht geholfen. Das Phone ließ sich nicht mehr aufladen, vielleicht wieder der Fehler wie beim ersten Mal. Spaßeshalber geht es noch einmal nach China. Als Ersatz kam vor wenigen Tagen ein Lenovo (Motorola) Moto G3 ins Haus, da das Sony inzwischen zu meiner Frau abgewandert ist. Es ist IPx7-zertifiziert. Leider/zum Glück durfte ich es noch nicht im Regen ausprobieren. Das GPS-Modul scheint etwas träge zu regaieren, und hinkt oft hinterher. Haben andere da ähnliche oder andere Erfahrungen gemacht? Die Locus-Karten waren alle noch auf der Karte und ließen sich problemlos wieder aktivieren.
    Ach so: Als Navi-App setze ich – nach einiger Eingewöhnung sehr zufrieden – Locus Pro ein

  4. Mit „etwas“ Verspätung mein Kommentar: Ein Gerät mit einer 5 an zweiter Stelle des IP Codes ist normalerweise für ein Gerät am Fahrradlenker optimal. Die 5 bescheinigt, dass „Wasser, das aus jeder Richtung als Strahl gegen das Gehäuse gerichtet ist, keine schädliche Wirkung haben darf“. Die 6 als zweite Ziffer ist ähnlich, nur ist jetzt der Strahl stark.
    Die 7 beschreibt den Schutz bei zeitweisem Untertauchen (wie im Artikel beschrieben). Da ich mich aber mit meinem Rad überwiegend über Wasser fortbewege, ist das für mich nicht relevant. Da die 7 – oder sogar die 8 – nicht die niedrigeren Ziffern abdeckt, wäre mir ein nachgewiesener Schutz von IP x5 oder x6 lieber. (Ein Freund hatte eine Omega Seamaster, die bis 100 m Tauchtiefe „wasserdicht“ ist, aber unter der Dusche Wasser zog;-). Die nationalen und internationalen Normen IEC / DIN EN 60529 sehen für den Fall, dass auch die unteren Ziffern angewendet werden, eine kombinierte Kennzeichnung, z.B. IPX5/IPX8/IPX9, vor.
    So, genug der „Klugsch….“
    Vielen Dank für die tollen informativen Artikel.

  5. Ich habe jedenfalls drei TEASI pro verloren (IPX 5), weil das Display bei einem geringen Regenschauer (der immerhin gering genug war, um weiter zu fahren) Wasser zog und das Gerät deshalb nicht mehr bedienbar war. Auf einer langen Andalusien Rundfahrt hat es auch mehrfach geregnet . Hier waren mehrere Garmin 1000 (IPX 7) unterwegs und keines nahm schaden. Alle diese Geräte waren tadellos weiterhin bedienbar. Für mich ist ein TEASI nicht OUTDOOR- fähig.

  6. Mein Teasi one ² hat im Dauerregen beim abfahrt von Hahntenjoch Wassereinbruch erlitten und dadurch die Tuchfunktion eingebüßt. Somit war mein Alpencross mit toll geplanten touren bei erstem starkregen zu ende. Finde ich für ein Navi echt schwach. Aus heutiger Sicht ist wohl jeder Smartphone mit IP67 besser geschützt beim regen als Teasi one². Jetzt kapiere ich auch warum das Gerät so billig ist. Bei nächstem Alpencross kommt garantiert ein Smartphone mit IP67 als Navi mit. Alpen-Cross auf Asphalt von Imst nach Riva dankt Teasi. Nie wieder. Generell sind die Akkulaufzeiten bei Teasi ein Witz. Ein Zusatz Akku ist ein muss für alle die länger als 4 Stunden fahren möchten und beim Regen Plastikbeutel zum einpacken mitnehmen.

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